Warum man Respekt und Anerkennung nicht mit Keksen bekommt

Warum eigentlich, wurde ich heute gefragt, gehst du mehr und mehr dazu über, ohne Leckerchen zu arbeiten?


Darüber denke ich schon lange nach. Es scheint mir schon lange nicht mehr stimmig, ich beobachte jeden Tag Hunde und ihre Halter bei der Arbeit oder auch Nicht-Arbeit. Ich sehe verfressene Hunde, ich sehe Hunde, die SITZ und PLATZ nur wegen dem darauf folgenden Futter machen.


Das mag ja für die Erarbeitung des Grundgehorsams hilfreich sein, jedoch finde ich, es kann auch anders gelobt werden: Mit einem Streicheln zum Beispiel.

Ich glaube, Hunde mögen das viel mehr.


Seit einigen Wochen setze ich mich sehr aktiv mit den Themen "Anerkennung", "Respekt" und "Schutz" auseinander.


Ein Hund, der gelernt hat, ein bestimmtes Verhalten auszuführen, weil er die Erwartung hat, das er dafür ein Leckerchen

bekommt, wird das Verhalten nur deswegen auch zeigen!

Er wird sich setzen, er wird "bleiben" usw. wegen dem Futter.


Ich frage  mich in diesem Zusammenhang schon lange, was denn wäre, wenn ich kein Bestechungsmittel mehr benutze?

Würde mein Hund mich weniger lieben, das gewünschte Verhalten nicht mehr ausführen?

Wird er streiken, sich nicht mehr vom Fleck bewegen?


Wie ist es denn in der Kindererziehung?

Bekommt ein Kind immer ein Keks für "normales" Verhalten?

Wird da unerwünschtes Verhalten einfach ignoriert (wie weit kommen wir damit, wenn der

Geräuschpegel immer höher wird und die Nerven zum zerreissen gespannt sind?),

oder ist es auch hilfreich, ja sogar unbedingt notwendig, dass das Kind auch mal eine Grenze gesetzt bekommt?


Ist es legitim, einem Kind auch zu sagen, was es lassen soll?


Ja, werden viele antworten, völlig in Ordnung ist das, wichtig und völlig normal.

Wo kämen wir denn hin, wenn die Kids keine Grenzen bekämen?


Warum ist das in der Hundeerziehung so anders?

Warum werden Probleme weg gekekst, warum wird ständig positiv gearbeitet?

Warum ist es so negativ behaftet, dafür zu sorgen, das der Hund mich anerkennt, nach meinen Spielregeln lebt

und sich unterordnet?

Leidet dann der Hund?


Ist der Stress, den er hat, weil er ständig nach vorne geht, sich aufführt wie "Sau" und sich nicht benehmen kann,

im Garten alles und jeden verbellt, wenn es klingelt einen riesen Aufstand macht und auch ansonsten der

Herr im Haus ist...ist dieser Stress gesund?


Warum ist es so schwer dem Hund zu sagen, was er lassen soll?


Hat es vielleicht damit etwas zu tun, das so viele Menschen (und da schließe ich mich nicht aus) Probleme damit haben, generell Grenzen zu setzen, NEIN zu sagen und sich durchzusetzen?


Wenn ich mir vorstelle, ich würde den halben Tag mit einem 180er Puls rum laufen und keiner,

wirklich keiner würde mir sagen: Hey, du musst dich gar nicht aufregen!


Ist das eigentlich noch Tierliebe wenn vor lauter Vermenschlichung vergessen wird, das Hunde Rudeltiere sind,

die sich bereitwillig unterordnen, wenn sie das Gefühl haben, der Halter wird seiner Rolle gerecht?




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Kommentare: 4
  • #1

    Felix Eschenburg (Dienstag, 18 August 2015 09:09)

    Andererseits würde ich ja auch nicht umsonst arbeiten :)

  • #2

    Judith Dresselmann (Dienstag, 18 August 2015 10:55)

    Da hast du nicht unrecht Felix...wenn es jedoch um die Anerkennung als Rudelführer geht, sind Kekse nicht angebracht...es geht um Haltung, Auftreten und Präsenz und die sind nicht käuflich...;-)

  • #3

    Sabine Mahr (Montag, 28 September 2015 13:07)

    Ich bin eigentlich auf der Suche nach einer Hundeschule in der ich mit meinen Hund weiter arbeiten kann. Wenn ich so etwas hier allerdings lese stellen sich mir jedoch wirklich die Nackenhaare auf. Verhalten entsteht durch Verstärkung nicht durch vermeintliche Belohnung egal ob positives oder negatives Verhalten ist. Natürlich gibt es andere Belohnungsmöglichkeiten außer Futter und diese sollten auch großflächig genutzt werden. Weiterhin ist das Wort Rudel bei unsern Haushunden nicht zutreffend. Sie bilden in den wenigstetn Fällen ein Rudel und mit uns Menschen schon gar nicht. Biologisch gesehen ist ein Rudel ein Familienverband mit Vater, Mutter, Tanten, Kinder usw. Allein dies ist nicht möglich. Ich bin mit keinem unserer Hunde verwandt :-). Das was wir von unseren Hund möchten ist kein "nomales" Hundeverhalten. Sitz, Platz,Fuß.... ich habe noch keine wilden Hunde gesehen, die sich gegenseitig Kommandos geben. Geaöl welches verhalten ein Hund zeigt... ja auch bellend in die Leine springen ist Verhalten... und zwar ine solchen mit dem der Hund in dieser Situation am besten zurecht kommt. Wenn ich ihn anbrülle er soll ruhig sein und er ist dies auch. ja toll. Aber welche Lernerfahrung hat mein Hund dann gemacht, dass ich als Mensch anfange zu schreien, wenn er an der Leine zieht und bellt und sicher nicht sich nur so nett zu verhalten. Nur weil ich ein Mensch bin, habe ich nicht das Recht von anderen Lebewesen etwas zu verlangen was nicht typisch ist. Kein Hund kommt auf diese Welt und ist mit Leinenführigkeit gesegnet oder darauf vorbereitet, dass wir seine Bewegungsfreiheit einschränken. Unterordnung .... seit mehrern Jahren ist die Rang und Dominaztheorie mehrfach wiederlegt. Wozu sollte mein Hund sich unterordnen, weil ich als Mensch so toll bin??
    Grenzen in der Hundeerziehung sind wichtig und es ist überlenbenswichtig, dass Hunde diese kennen und sie befolgen. Aber kein Hund dieser Welt wird etws zu ohne einen Nutzen davon zu haben, auf welche Weise auch immer. Anerkennung bekomme ich nur dann von meinen Hund, wenn ich fair mit ihm traniere, die Grenzen klar setzte und ihm sage was er darf. Vorallem, dass ich ihm sage wie er sich zu verhalten hat. Wenn ich ständig Nein sage weiß mein Hund noch lange nicht, was er statt dessen tun sollte, oder?? Wäre es nicht sinnvoller positives Verhalten zu verstärken??? Denn wie mein Vorschreiber schon richtig erkannt hat, ich gehe auch nicht auf die Arbeit, wenn ich keinen Lohn bekomme.

  • #4

    Judith Dresselmann (Montag, 28 September 2015 14:02)

    Liebe Sabine Mahr,

    vielen Dank für den kritischen Beitrag.
    Ich möchte meinen Blogeintrag nicht rechtfertigen, nur soviel:
    Wer mich und meine Arbeit nicht kennt, kann auch den Eintrag nicht "richtig" verstehen.

    Mein Erfolg gibt mir Recht, Sie können sich gerne persönlich davon überzeugen und dann
    auch gerne darüber urteilen.

    Wie wäre es mit einem (unverbindlichen) Erstberatungsgespräch oder einer Schnupperstunde
    in einer meiner Gruppen?

    Melden Sie sich doch einfach, vieles relativiert sich von Angesicht zu Angesicht.